Geschäftsmodell Brasilien Strand Teil 2

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Es gibt wenige Orte wo das Ineinandergreifen von #Lieferketten zum gegenseitigen Nutzen, Marken und Personal Branding, Partner-Management, Kooperationen, wie auch Wettbewerb und dessen Ausgrenzung so detailliert beobachtet werden können. 

Nach einem nach Weihnachten geschäftsbedingt etwas umtriebigen Jahreswechsel von Brasilien > Deutschland > Brasilien, nun im Januar zwei Wochen urlaubsähnliche Verhältnisse. Interessant die andere Perspektive zu haben.

An den Stränden, zumindest im NE Brasiliens, gibt es – neben fest etablierten Postos und Barracas – auch Direktvertrieb.  Von Sonnenbrillen, Spielzeug, Erdnüssen, Maiskolben, über Bier, Eis etc, Empanadas, Süssigkeiten, Fleischspiesse, Shrimps, Langusten bis hin zu Austern. Sogar Immobilien. Es gibt alles. Mein Favorit: Queijo Coalho mit Oregano – ein Käse den man grillen kann. Der Holzkohlengrill des Verkäufers machts möglich. 

Die fliegenden Händler schieben oder ziehen ihre Gefährte über den endlosen Strand. Ihr Vorteil bei Ebbe: es ist hier wirklich breit und flach. Sie ziehen ihre Karren bei glühender Hitze morgens und abends über die Seitenstrassen heimwärts zu den Depots. Doch der Aufwand scheint sich zu lohnen – nette Gespräche, Vielfalt und die häufig bessere Qualität der Produkte als an den lokalen Postos sichern das Geschäft. 

PM12 Chopp: Lucas schenkt Fassbier aus, jeden Tag, 10 Stunden, 6 Tage die Woche. Er ist Paraibano, also Nativ aus Paraiba. Er zieht sein motorisiertes Gefährt vergleichsweise leichtgängig über den Strand. Viele kaufen bei ihm, mehrfach hintereinander! Und er bedient – wie fast alle Lieferanten – den ganzen Strandabschnitt, also ca. 2-3 km.

Ronaldo verkauft frischen Fruchtsalat (SALADAO DE FRUTAS). Er ist Carioca, also aus Rio, und arbeitet saisonal hier. Spass macht es ihm trotzdem, vernetzt wie er ist. Sein Tonfall ist sein branding … „SAALADAAAOOO“.

ZORRO in Kluft verkauft Maiskolben. Frisch, schmackhaft, mit/ohne Salz und Butter und – wenn man mag – überreicht mit seinem Degen. Der Hit bei Kiddis.

Bruno verkauft Holzstühle für den Strand. 75 kg sollen sie aushalten. Ausprobiert stelle ich fest, da geht sogar mehr.

Was auf keinen Fall fehlen darf ist natürlich das Eis. „Picolääää“ schallt es schon von weitem. Und wer Glück hat, bekommt eines Extra – vorausgesetzt das Holzstäbchen zeigt das richtige Symbol.

Anders als die fahrlässigen Touristen (wie ich) schützen sich die Verkäufer gegen die starke UV-Strahlung – alle gut verpackt, auch mit Gesichtsmaske und UV-Shirt. Damit wird im übrigen auch gebadet, was bei 28 Grad warmem Wasser ab und an schon herausfordernd ist.

Allein die Entsorgung des Mülls stellt ein Problem dar – dabei tun die „Catadores“ – die Aludosen-Sammler – ihr bestes. Doch davon später mehr.

#geschaeftsmodell #strand #lieferketten #brandbuilding #tourismus #turismo #paraiba #joaopessoa #brasilien #urbanbrasil #brasilreloaded

Ein Tag am Strand

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MÄRKTE – MENSCHEN – GESCHÄFTE – Ein Wochenende irgendwo in Brasilien -Geschäftsmodell Strand (Teil 1).

Es sieht aus wie ein entspannter Tag am Strand – in Wirklichkeit für tausende Brasilianer ein knallhartes Geschäftsmodell mit einem Arbeitag oft jenseits der 12 Stunden.

Wer sich mit Märkten beschäftigt wie wir, erkennt schnell – das ist Markt in Reinstform. Ausprobiert wird alles, bestehen wird nur wer seine Kunden findet. Es zählt Qualität mit einem guten Anteil Zeitgeist und Empathie.

Wer etwas lernen will über Vertrieb, Differenzierung, Verhandlungen, Resilienz, Geschäftspartnerschaften, Cross-Selling und (wechselnde) Vertriebsverbünde, sollte sich einen Tag am Strand gönnen.

Besprechungen zwischen Marktbegleitern, aktives Netzwerken, Abstimmung und Pflege in den Wertschöpfungsketten, Erfahrungsaustausch, Diskussion neuer Produkte und Vertriebsstrategien und Konfliktmanagement, Innovation und Change (hierzu später mehr) – hier findet sich alles in komprimierten Form. Und – ja, beginnend, auch das Thema Recycling. Eine solche „catadora“ de latas – eine Metalldosen Sammlerin – hat es jüngst bis in die brasilianische Regierung geschafft.

Die Strandabschnitte sind im übrigen per Konzession vergeben – man unterscheidet sich in der Farbe der Sonnenschirme. In unserem Fall Wemilly und Xavier – sie Chefin und Paraibana, er „Exil“-Kubaner – bewirtschaften den Abschnitt mit sehr viel Feingefühl, Familien- und Freundschaftssinn, aber auch Härte. Ihr Töchterchen ist im übrigen immer mit dabei.

Xavier serviert neben diversen Bierchen dann frittierte Shrimps (cross ! – ein Alleinstellungsmerkmal), frittierten Fisch (ganz und in Stückchen), frittiertes Hühnchen und natürlich Pommes (so wie sie sein sollen). Wemilly mixt einen tollen Caipirinha und überlässt die Wahl des Cachacas den Kunden (ja, es gibt mehrere Geschmacksrichtungen). Ergänzt wird neuerdings durch einen Stand mit Tapioca-Crepes. ja, Wemilly hatte zunächst Bedenken wegen Kannibalisierungseffekten. Xavier konnte sie glücklicherweise vom Gegenteil überzeugen.

Ab und zu kommen dann Marktbegleiter vorbei: der Carioca vom SALADAO DE FRUTAS, die Eisverkäufer mit Picole, Erdnuss und Cacju-Händler, Austern (frisch aus der Eisbox mit Lemonensaft) und Shrimps-Händler und dann natürlich die Träger der Sonnenbrillen-, Sonnenhut- und Kleider-Ständer.

Ist man öfters da, gewinnt man Freunde. Für Jahre, oft fürs Leben.

#brasilien #geschaeftsmodelle #vertriebskonzepte #brasilreloaded #koeningerpartner