Arbeitslosigkeit in Brasilien – interpretiert

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Grafiken lassen sich auf oft unterschiedliche Weise interpretieren. 

Es gibt LinkedIn-Kommentatoren, die die aktuelle Arbeitslosigkeit immer noch als Effekt der Politik von Dilma Rousseff interpretieren und die Regierung Bolsonaro als positive Kraft (linke Grafik).

Bei genauerem Hinsehen (rechte Grafik) entpuppt sich diese Interpretation allerdings als sehr fragwürdig – im Grunde sogar als falsch! Der schwarze Pfeil markiert ungefähr das Datum des Impeachments.

Sicher spielt die Pandemie eine wesentliche Rolle und verschleiert die tatsächliche aktuelle Situation. Dennoch sind die Haupteffekte im Grunde klar zu erkennen.

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In jüngerer Zeit wird von einer Verbesserung der Situation berichtet. Dabei wird bislang nicht diskutiert, um welche Art der Beschäftigung es sich dabei handelt. Sicher ist eines: Die Anzahl der sozusagen „freien Mitarbeiter“ ohne Vertrag und Sicherheit hat erheblich zugenommen.

Eine Verbesserung des Geschäftsklimas (ICEI-Index) hat nicht zwangsläufig mit einer positiven Entwicklung am Arbeitsmarkt zu tun. Dies zeigt der Index-Verlauf in dieser Zeit, der nach dem rechtlich eher fragwürdigen Impeachment der Regierung ROUSSEFF einen ebenso raschen wie starken Anstieg zeigt, wie die sprunghaft zugenommene Arbeitslosigkeit und des FII (Foreign Institutional Investments, BOVESPA-Index). Die internationalen Direkt-Investitionen (FDI) als wesentliche Grundlage für eine positive Entwicklung in Brasilien haben sich bislang allerdings nur zögerlich erholt.

Im Themenzusammenhang bislang gänzlich vermisst wird eine sinnvolle Investition in die Wettbewerbsfähigkeit des Landes. Diese ökonomische Phantasielosigkeit der aktuellen Regierung führt zu einem reinen Export von Commodities ohne industrielle „Veredelung“. Dies ist sicherlich der falsche Weg – auch in Bezug auf eine Reduktion der Arbeitslosigkeit und die Art der Beschäftigung. Um es etwas zugespitzt zu sagen – mit HR- und Marketing-Agenturen und Abholzung lassen sich die Probleme des Landes nicht lösen, sondern nur durch eine auch im internationalen Vergleich kompetente Verarbeitende Industrie („Industria de tranformacao“) und einem entsprechenden Ingenieurswesen.

Inwiefern dies mit geeigneter Führung zu tun hat und damit meine ich die Auswahl der Führungsebenen nach Sachverstand und nicht eine „Stellenbesetzung“ nach anderen „Kriterien“, mag ich nicht abschliessend beurteilen. Ein Zusammenhang erscheint mir aber als sehr wahrscheinlich.

Im Zuge der abflauenden Pandemie und vor allem der kommenden Wahl Ende 2022 zeigen sich erste positiven Trends und eine beginnende Erholung. Die Nachfolgeregierung sollte insbesondere den Binnenmarkt und langfristig den Konsum stärken. Dies betrifft insbesondere die Klassen C-E. Nur dies kann zu einer Verbesserung der industriellen Entwicklung und damit zu einer nachhaltigen Senkung der Arbeitslosenzahlen führen. 

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